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Ratgeber · Antrag

SGB-IX-Antrag: Schritt für Schritt

Vom ersten Bedarfssatz bis zum Bescheid: so stellst du einen Antrag auf Eingliederungshilfe für Einfache Assistenz. Mit Formulierungsbeispielen, Unterlagenliste und Checkliste für Köln und Bonn.

Stand September 2026 · 16 Min. Lesezeit

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Zwei Personen schauen gemeinsam auf einen Laptop. Symbolbild.

Ein Antrag auf Eingliederungshilfe nach SGB IX wirkt oft wie ein Berg. In Wahrheit brauchst du vor allem eine klare Beschreibung deines Assistenzbedarfs, die richtigen Adressen und den Mut, Dinge schriftlich festzuhalten.

Dieser Ratgeber führt dich durch den gesamten Weg: von der ersten Notiz bis zum Bescheid. Fokus ist Einfache Assistenz zur sozialen Teilhabe. Also Begleitung im Alltag, in der Freizeit, bei Arbeit oder Studium und bei sozialen Kontakten. Nicht medizinische Behandlung und nicht Leistungen nach SGB XI.

Was der Antrag eigentlich bewirken soll

Der Träger entscheidet, ob und in welchem Umfang Assistenz bewilligt wird. Dein Antrag ist die Grundlage dafür. Je konkreter du beschreibst, wobei du Unterstützung brauchst und welche Teilhabeziele du verfolgst, desto weniger Raum bleibt für Missverständnisse.

Ein guter Antrag beantwortet drei Fragen: Was gelingt ohne Assistenz nicht oder nur mit großer Erschöpfung? Wann und wie oft tritt das auf? Was soll sich durch die Leistung ändern?

Schritt 1: Deinen Bedarf in Wochenbildern fassen

Bevor du Formulare öffnest, nimm dir eine ruhige Stunde. Schreib drei bis fünf Situationen aus einer typischen Woche auf. Ort, Uhrzeit, was passiert und was ohne Begleitung scheitert.

  • Welche Wege oder Termine sagst du ab, weil die Begleitung fehlt?
  • Welche Übergänge kosten dich besonders viel Energie (Umstieg, Wartezeit, Menschenmenge)?
  • Wie viele Stunden schätzt du pro Woche realistisch?
  • Welche Ziele willst du erreichen: mehr Teilhabe, weniger Isolation, Studium halten, Freizeit wieder aufnehmen?

Formulierung, die trägt

Statt „Ich brauche Hilfe im Alltag“ besser: „Zweimal pro Woche gelingt der Einkauf und der Weg zu Terminen nur mit Begleitung. Ohne Assistenz bleibe ich zu Hause und verpasse Arzt- und Behördentermine.“

Statt „Ich möchte aktiver sein“ besser: „Ich will wieder zweimal pro Woche zum Training in Bonn-Beuel. Der Rückweg am Abend mit Umstieg gelingt mir ohne Begleitung nicht.“

Zwei Personen schauen gemeinsam auf einen Laptop. Symbolbild.
Klare Wochenbeispiele machen den Antrag prüfbar.

Schritt 2: Den richtigen Träger finden

In NRW ist für viele Menschen mit Behinderung der Landschaftsverband Rheinland (LVR) oder eine kommunale Stelle für Eingliederungshilfe zuständig. Wohnort, Art der Behinderung und bisherige Leistungen beeinflussen die Zuständigkeit.

Du musst die Zuständigkeit nicht allein erraten. Ein Anruf bei der Stadt Köln, der Stadt Bonn oder dem zuständigen Kreis klärt oft die erste Adresse. In der kostenlosen Erstberatung bei HUMAVIA helfen wir dir, die passende Stelle zu finden und den Einstieg zu sortieren.

  1. Wohnort und bisherigen Leistungsbescheid notieren (falls vorhanden)
  2. Bei Stadt, Kreis oder LVR nach der Zuständigkeit für Eingliederungshilfe fragen
  3. Name der Stelle, Postadresse und ggf. E-Mail-Adresse aufschreiben
  4. Fragen, ob ein Formular gewünscht ist oder ein formloser Antrag reicht

Schritt 3: Unterlagen sinnvoll zusammenstellen

Du brauchst kein perfektes Aktenpaket. Du brauchst ein nachvollziehbares. Sortiere alles chronologisch und nummeriere Anlagen. Was fehlt, kannst du später nachreichen. Was da ist, sollte der Träger sofort finden.

  • Antragsformular des Trägers (falls verlangt) oder klarer formloser Antragstext
  • Kurze Bedarfsbeschreibung mit Wochenbeispielen und Teilhabezielen
  • Ärztliche oder therapeutische Berichte, soweit vorhanden und relevant
  • Schwerbehindertenausweis oder Feststellungsbescheid, falls vorhanden
  • Bisherige Bescheide zur Eingliederungshilfe oder verwandten Leistungen
  • Vollmacht, wenn Angehörige oder eine Vertrauensperson mitwirken soll

Schritt 4: Antrag stellen und den Eingang beweisen

Reiche den Antrag ein und sichere den Nachweis. Bei Post: Einschreiben oder Einwurf-Einschreiben. Bei Online-Portalen: Screenshot der Bestätigung und die Mail speichern. Bei Abgabe persönlich: Datum, Uhrzeit und Name der Person notieren, falls möglich einen Stempel verlangen.

Notiere das Eingangsdatum in deinem Kalender und setze eine Wiedervorlage. Ohne Nachweis wird Nachhalten schwer. Mit Nachweis kannst du später höflich und konkret nach dem Stand fragen.

Schritt 5: Mitwirkung steuern, nicht ertrinken

Viele Verfahren stocken, weil Nachforderungen unklar bleiben oder Fristen verstreichen. Lies jede Frage des Trägers genau. Liefere nur das Nötige. Nummeriere deine Antwort. Behalte eine Kopie.

  1. Frist und Aktenzeichen aus dem Schreiben übernehmen
  2. Nur die angefragten Unterlagen nachreichen
  3. Anlagenliste beilegen (Anlage 1, Anlage 2 …)
  4. Bei Zeitdruck schriftlich um Fristverlängerung bitten
  5. Datum der Nachreichung und Versandweg notieren

Wenn du unsicher bist, was gemeint ist, frage nach. Eine kurze Klärungsmail mit Aktenzeichen ist besser als eine Überladung mit irrelevanten Dokumenten.

Zwei Personen sitzen an einem Tisch und sprechen. Symbolbild.
Strukturierte Mitwirkung verkürzt Rückfragen und Wartezeiten.

Schritt 6: Gesamtplan und Gespräche vorbereiten

Häufig folgt ein Gesamtplanverfahren. Dort wird dein Bedarf strukturiert erhoben. Bereite dieselben Wochenbeispiele vor, die schon im Antrag stehen. Nimm eine Vertrauensperson mit, wenn dir das Sicherheit gibt.

Im Gespräch zählen beobachtbare Situationen. „Ich komme in Köln-Ehrenfeld zur Haltestelle, steige in Deutz um und bin danach so erschöpft, dass der zweite Termin entfällt“ ist stärker als „ÖPNV ist anstrengend“.

Schritt 7: Den Bescheid wirklich lesen

Im Bescheid stehen Leistungsart, Stundenumfang, Zeitraum und oft Auflagen. Lies ihn am Tag des Zugangs. Markiere Unklares. Notiere die Rechtsbehelfsfrist. Die steht im Bescheid und läuft ab Zugang.

  • Stundenumfang und Verteilungsvorschlag prüfen
  • Bewilligungszeitraum und Verlängerungslogik verstehen
  • Leistungsart: Sachleistung über einen Dienst oder Persönliches Budget?
  • Rechtsbehelf und Frist sofort kalendern

Passt etwas nicht, gibt es Widerspruch und weitere Schritte. Mehr dazu findest du in den Ratgeberartikeln zu Ablehnung und Widerspruch.

Beispiele aus Köln und Bonn, die Trägern helfen

Beispiel Köln: Termin in Kalk, danach Einkauf in der Innenstadt. Ohne Begleitung endet der Tag nach dem ersten Ort. Mit Assistenz bleibt der zweite Schritt machbar, weil Übergang und Energie mitgedacht werden.

Beispiel Bonn: Seminar auf dem Campus, danach Treffen in der Altstadt. Der Hinweg gelingt manchmal. Der Rückweg mit Menschenmenge und Zeitdruck nicht. Genau diese Differenz gehört in den Antrag.

Wenn sich dein Leben während des Verfahrens ändert

Semesterbeginn, Jobwechsel, Umzug zwischen Köln und Bonn, neue gesundheitliche Phasen: Melde relevante Änderungen. Viele Verzögerungen entstehen, weil Pläne auf veralteten Annahmen laufen.

  • Änderung in einem Satz beschreiben
  • Auswirkung auf Zeiten, Wege und Stundenbedarf benennen
  • Unterlagen ergänzen, nicht alles neu erfinden
  • Träger und ggf. bereits involvierten Assistenzdienst informieren

Wo HUMAVIA dich unterstützen kann

Unsere Antragshilfe begleitet dich beim Sortieren, Formulieren und Nachhalten. Die Erstberatung ist kostenlos und unverbindlich. Entscheiden tut weiterhin der Träger. Wir machen den Weg übersichtlicher.

Wenn schon ein Bescheid vorliegt, starten wir mit Matching und Einsatzplanung. Wenn noch nichts vorliegt, klären wir gemeinsam den nächsten konkreten Schritt.

Checkliste vor dem Absenden

  • Name, Adresse und Kontaktdaten vollständig und lesbar
  • Drei bis fünf Wochenbeispiele mit Ort, Zeit und Folge formuliert
  • Anlagen nummeriert, benannt und chronologisch sortiert
  • Unterschrift bzw. erforderliche Einwilligungen vorhanden
  • Kopie des Gesamtpakets für dich gespeichert
  • Eingangsnachweis geplant (Einschreiben, Screenshot, Stempel)
  • Wiedervorlage-Datum im Kalender gesetzt
  • Aktenzeichen-Feld vorbereitet für spätere Korrespondenz

Häufige Fragen

Kann ich den Antrag formlos stellen?
Oft ja. Ein klarer schriftlicher Antrag setzt das Verfahren in Gang. Formulare des Trägers solltest du trotzdem zeitnah nachreichen, wenn sie verlangt werden.
Brauche ich zwingend ein Gutachten?
Nicht immer. Der Träger kann Unterlagen anfordern. Vorhandene Berichte helfen. Fehlende Gutachten sind kein Grund, gar nicht erst anzufangen.
Darf eine Angehörige oder ein Angehöriger mithelfen?
Ja. Die betroffene Person sollte inhaltlich eingebunden bleiben. Eine Vollmacht schafft Klarheit, wer mit dem Träger sprechen darf.
Was, wenn ich den Überblick verliere?
Lege eine einfache Akte an und nutze Antragshilfe. Eine Zeitleiste mit Daten und kurzen Notizen reicht oft schon.
Was kostet die Antragshilfe bei HUMAVIA?
Details klären wir transparent im Gespräch. Die Erstberatung ist kostenlos.
Gilt der Ablauf auch für Persönliches Budget?
Der Einstieg über Bedarf und Antrag ist ähnlich. Die Auszahlungs- und Organisationsform kann sich unterscheiden. Mehr dazu unter Persönliches Budget.

Quellen und Weiterführendes

Keine Rechtsberatung. Stand der verlinkten Gesetze bitte immer aktuell prüfen.